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Accente on Tour – August 2019

Digitale Mitbewohner steuern unsere Heizung, öffnen Türen, kochen Kaffee oder beantworten uns Wissensfragen. Verändern die Sprachassistenten auch unsere Art zu kommunizieren? Und können sie im Fall der Fälle auch Geheimnisse bewahren? Darüber sprach Erika Hettich, Accente BizzComm, mit Martin Heisig, Head of SAP HANA Technology Innovation Network.

 

 

Erika Hettich (EH): Herr Heisig, als allererstes würde mich interessieren: Haben Sie selbst eines oder mehrere Sprachassistenz-Systeme bei sich zuhause?

Martin Heisig (MH): Nein, ich habe tatsächlich keine davon zuhause. Bei mir ist noch keine Alexa eingezogen.

EH: Und warum nicht?

MH: Ich schätze meine Privatsphäre, das muss ich ehrlich sagen, und ich habe für solche Systeme zuhause auch keinen wirklichen Bedarf. Ich nutze Sprachassistenz-Systeme sehr gerne im Auto, bei der Navigation, oder um Sprachnachrichten und Texte auf dem Smartphone zu diktieren. Da ist das sehr hilfreich – aber zuhause komme ich noch gut ohne zurecht.

EH: Was glauben Sie, wie solche Sprachsysteme die Art unserer Kommunikation in Zukunft verändern werden?

MH: Zum einen halten diese Sprachsysteme Einzug in unser tägliches Leben. Das merken wir ja heute schon. Wenn sie bei einer Hotline anrufen können sie oft gar nicht mehr sicher sein, ob sie mit einem Menschen sprechen oder ob das doch schon eine Maschine ist, mit der sie da gerade kommunizieren. Aber auch in anderen Bereiche, etwa in der Pflege, können solche Systeme künftig eine große Rolle spielen.

EH: Was glauben Sie, warum wir diese Technologie jetzt brauchen? Denn bisher sind wir ja auch ganz gut ohne sie klar gekommen.

MH: Das ist richtig, aber sie macht natürlich alles ein bißchen komfortabler. Zum Beispiel im Bereich Navigation, da waren die Systeme noch vor 10 Jahren doch ziemlich rudimentär. Heute gibt es zum Beispiel Stauvorhersagen, nach denen sie ihre Route viel besser planen können. Oder vielmehr: planen lassen. Das Gleiche gilt im Hinblick auf bestimmte Bereiche der Industrie – die werden von der digitalen Transformation komplett umgekrempelt. Ein Beispiel ist die Personenbeförderung, Taxis. Da stellt das Unternehmen Uber alles auf den Kopf. Der Vorteil für den Endnutzer liegt auf der Hand: Es ist super transparent, schnell, komfortabel, einfach… Das ist schon eine feine Sache.

EH: Es gibt natürlich auch negative Seiten solcher Sprachsysteme. Gerade ist ein Bericht der UNESCO erschienen mit dem Titel „Ich würde erröten, wenn ich könnte“. Der Name ist Programm. Es geht darum, dass Sprachassistenzsysteme meistens weibliche Stimmen haben und teilweise ganz merkwürdige Reaktionen einprogrammiert sind. Beispiel: Das System wurde beschimpft mit „Du bist ein Schlampe“ und gab als Antwort den Satz „Ich würde erröten wenn ich könnte“. Was läuft denn da falsch?

MH: Ich glaube, man muss sich auch im Fall der Sprachassistenzsysteme überlegen, wann bestimmte ethische Grenzen erreicht sind. Ich habe dazu noch ein anderes Beispiel gesehen. Da man hat Menschen mit einer weiblichen Stimme kommunizieren lassen und diese Menschen konnten nicht erkennen bzw. unterscheiden, dass es sich dabei um eine Maschine handelte. Das war völlig intransparent. Ich glaube, man muss sich gut überlegen, wo die Grenzen sind und wo auch ganz klar deutlich gemacht werden muss: Jetzt rede ich mit einer Maschine, jetzt rede ich mit einem Menschen. Ich persönlich würde das im jeweiligen Fall schon sehr gerne wissen.

EH: Das geht mir ganz genauso. Aber Sie sitzen da ja am Hebel, sozusagen: Sie sind in einem der größten IT-Unternehmen der Welt beschäftigt. Spielen solche Themen eine Rolle bei Ihnen? Worauf muss von der „Geberseite“ geachtet werden?

MH: SAP spielt sicherlich beim Thema Backend-Funktionalitäten eine große Rolle. Weniger im Frontend-Bereich – dort stehen Google, Amazon und wie sie alle heißen. Aber wir sind im Hintergrund, mit der Unterstützung entsprechender Funktionalitäten in Business-Prozessen, sehr stark aktiv. Da ist das ethische Thema nicht ganz so prominent wie im vorderen Bereich, wenn ich direkt mit dem Endnutzer kommuniziere. Aber natürlich bewegt dieses Thema auch uns, auch wir müssen schauen, wann wir Grenzen überschreiten.

EH: Das Thema Ethik spielt in Ihrem Unternehmen also eine wichtige Rolle?

MH: Ja, absolut. Das alles ist ja auch noch eine sehr junge Industrie: Machine Learning, künstliche Intelligenz. Auch wenn diese Themen schon lange beobachtet werden, hat man erst jetzt Computersysteme und Lösungen, die so leistungsstark sind, dass man sie wirklich im täglichen Leben einsetzen kann. Ethik ist da ganz klar ein Thema!

EH: Vielen Dank, Martin Heisig bei Accente on Tour.